Ryser Simona

Simona Ryser, 1969 geboren in Zürich, Lehre als Verlagsbuchhändlerin beim Diogenes Verlag. Nach der Matura, die sie über den zweiten Bildungsgang nachgeholt hatte, studierte sie Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich (1991-99) mit Lizentiatsabschluss sowie Gesang bei Vera Schlosser, Hilde Zadek, Judith Koelz u.a. und absolvierte das Opernstudio Biel(1993-95). Darauf folgten Engagements als Opernsängerin in Salzburg, Leipzig und in der Schweiz. Seit 1998 initiiert sie Projekte als klassische Sängerin und künstlerische Leitung der Gruppe «szene und musik»; 2004 machte sie bei SRF eine Ausbildung in Radiojournalismus und Hörspielregie und arbeitet seither als freie Hörspielregisseurin und -dramaturgin für SRF, ndr, dradio u. a. Zudem hat sie diverse Hörspaziergänge und Audiotouren realisiert. Ausserdem unterrichtet Ryser im Bereich Schreiben, Stimme und Rhetorik. 2007 debütierte sie mit dem Roman „Maries Gespenster“. Simona Ryser lebt und arbeitet in Zürich. Simona Ryser schreibt Romane, Kurzgeschichten, Hörspiele, Libretti und journalistische Artikel. Neben ihren Monografien erschienen zahlreiche Prosaveröffentlichungen in verschiedenen Literaturzeitschriften. Sie wurde für ihr Schaffen mehrfach ausgezeichnet.

Werke:
  • (Auswahl):
  • Die Geschichte der Tochter: Roman. 1988 (unveröffentlicht)
  • Grenzschichten. In: Entwürfe. Zürich, 3/1993
  • Nachttage: Roman. (teilweise veröffentlicht) SR DRS1, 1994
  • Lied der Melpomene. Die Signifikanten: Mehr Meer. In: Scriptum Rothenburg 3/1995
  • Mimi will nicht sterben: Hörspiel. Zürich, 1999
  • Toscas Tod: eine Kriminaloper. Musik: Johannes Marks. Libretto: Simona Ryser. 2000
  • Philosophie für Kinder. Hörspielserie. (unveröffentlicht, 2003)
  • Winternacht. Audio-CD. Nach Texten von Adelheid Duvanel. Hörspielfassung von Simona Ryser. Basel: C. Merian Verlag, 2007
  • Maries Gespenster: Roman. Zürich: Limmat-Verlag, 2007
  • Schlaflose Nacht. Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Alice Rivaz. Audio-CD. Basel: C. Merian Verlag, 2007
  • Warum das Kind in der Polenta kocht. Von Aglaja Veteranyi. Hörspielfassung von Simona Ryser. Audio-CD. Basel: C. Merian Verlag, 2011
  • Helenenplatz: Roman. Zürich: Limmat-Verlag, 2011
  • Der Froschkönig: Roman. Zürich: Limmat-Verlag, 2015

Auszeichnungen:
  • Studer/Ganz-Preis, Zürich (2006)
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (2007)
  • Rauriser Literaturpreis, Salzburg (2008)
  • Werkbeitrag der Pro Helvetia, Zürich (2009)

Textausschnitt aus Der Froschkönig

Als Leo sich auf den Mann zubewegte, hörte sie das leise Plitsch Platsch, Plitsch Platsch in ihrem Rücken. Es sind unanständige Geräusche, die ein Frosch macht, wenn er auf dem blanken Boden hüpft. Er klatschte mehrmals deutlich auf das Parkett. Als Leo die Augen schloss, erstarrte er. Der Frosch musste einen, vielleicht zwei Meter hinter ihr sitzen. Bestimmt machte er einen kleinen, feuchten Fleck auf das Holz. Vielleicht bebte er innerlich, der Frosch, ein winziges, hüpfendes Amphibienherz. Sein kleiner grüner Körper zitterte still vor sich hin, während Leo nun einen Geruch einsog von Kaffee und Erde und mit ihrer Wange eine andere Wange berührte, wo sich eine Wärme ausbreitete.
Einen Moment lang verharrte sie. Sie stand schief. Etwas irritierte sie, der Name, ihr Name, der unscharf wurde und sich plötzlich fremd anfühlte. Sie überlegte kurz und fügte ein n an, doch Leon ging nicht. Mit so einem Namen konnte sie unmöglich küssen. Sie war kein Mann, kein Kind, kein Löwe und so fügte sie noch ein langes i an, was sich besser anfühlte. Jedenfalls stand sie nun wieder ganz gut. Leonie. So konnte sie den Kopf senken, in diesen Duft von Erde und in diese Wärme. Sie blies mit ihrem Atem in ein feines Ohr, das sich spitzte. So wollte sie bleiben, an diesem Körper und an diesem Mann, der ihr nun so nahe stand, in diesem Moment, der noch unentschieden war, in dieser Nähe, noch vor der Bewegung, noch vor der Drehung, bevor sich die beiden Köpfe einander zuneigen würden.
Der Frosch aber verdrückte sich in die Ecke, denn, auch wenn er nicht denken konnte, wusste er genau, wer hier Prinz war und wer Frosch.

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